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Image by Birmingham Museums Trust

TAL VON NINIVE (IRAK)

Unser erstes Projekt:

Auf unserem Weg dominierten die Flüchtlingslager in der Ninive Ebene, während andere Bereiche noch von Landminen bedeckt waren. Es ist unmöglich, den Anblick einer vollkommen niedergebrannten und zerstörten 55.000-Einwohner-Stadt zu beschreiben. ISIS-Soldaten hatten, zusammen mit den Familien, die sie als Siedler mitgebracht hatten und die zwei Jahre lang die Stadt bewohnt hatten, aufgrund der bevorstehenden Niederlage alles niedergebrannt und gesprengt, bevor sie sich zurückzogen. Eine zerschredderte Stadt lag vor uns, die Spuren der Verwüstung, explodierte Autobomben, die Überreste der Kämpfe und die Zeichen der ISIS-Präsenz waren allgegenwärtig.


Fast alle Kirchen der Stadt, neu oder alt, waren ebenso niedergebrannt worden, aber da Kirchen viel Platz bieten, waren manche als kleine Kriegsfabriken verwendet worden, um Bomben, Waffen, Raketen im Dienst der ISIS Kampfmaschinerie herzustellen.

Eines der Hauptziele war das Kloster Nakortaya aus dem 4. Jahrhundert. Dieses Kloster war bekannt dafür, neben anderen sakralen Schätzen, 350 antike syrische Handschriften zu bewahren. Das Kloster war schwerwiegend beschädigt worden und die Hoffnung, intakte Handschriften zu finden, schien gering. Glücklicherweise waren diese 350 Handschriften zuvor von P. Najeeb digitalisiert worden, aber wir wussten nicht, ob alle verloren waren oder Mönche einige von ihnen vor der Flucht verstecken konnten.

Es war niederschmetternd zu sehen, dass nur wenige Fetzen im Hof des Klosters verstreut herumlagen, und P. Najeeb identifizierte rasch einige davon als Teile jener sehr alten Handschriften, die er digitalisiert hatte. Sie waren noch nass, möglicherweise vom Regen des Vortags, denn sie lagen draußen im Freien. Diese kostbaren Fragmente brachten wir in Sicherheit, in das CNMO, wo sie gereinigt, desinfiziert und restauriert werden müssen. Darin liegt eine weitere Aufgabe für das CNMO, dem höchstwahrscheinlich noch mehr solcher Rettungsaktionen bevorstehen, was die Dringlichkeit der so notwendigen Unterstützung noch verstärkt.


Wenige Kilometer außerhalb von Qaraqosh besuchten wir das syrisch-orthodoxe Kloster von Mar Benham, eines der bedeutendsten Klöster in diesem Gebiet. Es wurde im Jahr 325 erbaut und mehrmals umgebaut und saniert. Von ISIS-Kämpfern wurde es zwei Jahre lang als Hauptquartier verwendet und war erst wenige Tage vor unserem Besuch zurückerobert worden.

Laut zirkulierender Information war es vom ISIS stark bewacht worden, aber auch als Sklavenmarkt missbraucht worden. Einige Wochen zuvor haben wir erfahren haben, dass 40 Frauen christlicher und anderer Konfessionen hierhergebracht und verkauft worden waren. Ein heftiger Kampf fand an diesem Ort statt, um das Kloster wiederzuerobern, zahlreiche Soldaten und 50 IS-Kämpfer starben.

Wir waren insbesondere wegen 500 sehr alter Handschriften hierhergekommen, von denen einige aus dem 9., andere aus dem 10. Jahrhundert stammen. Keine von ihnen war bisher aufgetaucht. Erneut waren wir mit Szenen der Zerstörung und Haufen verbrannter Bücher konfrontiert. Diese Bücher waren aber Druckwerke neueren Datums.

Eine Wochen danach wurde bekannt, dass die gesuchten alten Bücher von den Mönchen rechtzeitig in einem geheimen Raum eingemauert und auf diese Weise gerettet worden waren. Mittlerweile sind sie sicher in Erbil angekommen.

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